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Donnerstag, 10. November 2016

Mein einstweiliges Schlusswort.


Herkules säubert den Augiasstall

Der Geschäftszweig der Jugendhilfe ist in Deutschland* ein Augiasstall. Die Frage ist nicht, ob da "alle so sind". Das Faktum ist, dass die, die dort vorankommen, so sind und nicht anders. Das Faktum ist, dass dieser Geschäfstzweig eine Anziehung ausübt auf Leute mit schlechtem Charakter. Die erkennen sich am Geruch und helfen einander vorwärts. 

Ich glaube nicht an Reformen. Es ist nicht "das System"; es sind immer die Leute. Die müsste man austauschen. Genauer gesagt: Die, die da sind, müsste man sich vom Halse schaffen, und für die Neuen sich eine andere Auswahl einfallen lassen.

Das klingt, als wärs mein letztes Wort in dieser Sache. Doch soll man niemals nie sagen.
 
*) Über andere Länder darf ich nicht urteilen.





Freitag, 5. Februar 2016

Wildwuchs in der Jugendhilfe: Zum Beispiel Wien.

aus Die Presse, Wien, 5. 2. 2016

Kindergruppen: Wie der „Wildwuchs“ entstand
Die Stadt Wien brauchte plötzlich deutlich mehr Betreuungsplätze. Man setzte auf Private und finanzierte sie üppig. Regeln gab es nur vage. Nun kämpft man mit Skandalen und mangelhaft ausgebildetem Personal.

Von Julia Neuhauser

Wien. Die Negativschlagzeilen reißen nicht ab: Zuerst sorgte ein Bericht für Aufsehen, der muslimischen Kinderbetreuungseinrichtungen vorwarf, Parallelgesellschaften aufzubauen. Dann geriet ein Wiener Kindergartennetzwerk, das Förderungen in Millionenhöhe erschlichen haben soll, ins Visier der Polizei. Und zu guter Letzt gab es Aufregung um einen Stadtrechnungshof-Bericht, der fehlende Kontrolle beklagte. Allesamt Einzelfälle? Oder Symptome eines kranken Systems?

1 Die Stadt war auf private Anbieter angewiesen. Der „Wildwuchs“ der Kindergruppen begann.

Die Zeit drängte. Das verpflichtende Kindergartenjahr war politisch paktiert und sollte im Herbst 2009 starten. Doch es fehlten die entsprechenden Plätze. Die Stadt war auf private Anbieter angewiesen. Es begann unter anderem der Ausbau der Kindergruppen – für die andere, lockerere Regeln als für Kindergärten galten (siehe Punkt 2). So gab es vor sechs Jahren in Wien 268 Kindergruppen. Heute sind es 620. 7400 Kinder, rund neun Prozent, besuchen also eine solche. 

Die Kindergruppen sind einst in den 1970er-Jahren entstanden. Als „hippiemäßige“ Bewegung, in denen Eltern, die ihre Kinder nicht dem staatlichen System überlassen wollten, kochten und putzten, werden sie beschrieben. Diese elternverwalteten Gruppen dürften mittlerweile in der Minderheit sein, die meisten sind selbstverwaltet. Rund 450 der Kindergruppen sollen islamisch sein, so steht es zumindest im umstrittenen Projektbericht des Religionspädagogen Ednan Aslan (Uni Wien). Die Stadt erhebt dazu keine Zahlen. Es werden Vereine gelistet, aber weder der religiöse Hintergrund noch die Staatsbürgerschaft wird erhoben. 

Im elementarpädagogischen Bereich werden die Entwicklungen der vergangenen Jahre jedenfalls kritisch gesehen: „Die Branche leidet schon lang unter einem Wildwuchs an Kindergruppen“, sagt Heidemarie Lex-Nalis von der Plattform Educare zur „Presse“.

2 Eingesetzte Betreuer haben „Miniausbildung“. Statt 90 Einheiten gibt es künftig 400.

Anders als in Kindergärten muss in Kindergruppen kein ausgebildeter Pädagoge anwesend sein. Es genügt, wenn Betreuer eingesetzt werden. Wobei sich ihre Aufgabe eigentlich nicht unterscheidet. Mit einer Ausnahme: In einer Kindergruppe dürfen maximal 14 Kinder und damit deutlich weniger als in Kindergartengruppen betreut werden. Die Ausbildung ist dennoch eine völlig andere. Es ist weder ein Eignungstest noch eine Abschlussprüfung vorgeschrieben. Betreuer müssen lediglich einen Kurs im Ausmaß von mindestens 90 Unterrichtseinheiten absolvieren. Nach 15 Einheiten Pädagogik, 15 Einheiten Entwicklungspsychologie und ein paar anderen Fächern (übrigens sind das allesamt nur Richtwerte) kann man als Betreuer arbeiten. Das Ganze ist also in wenigen Wochen zu schaffen. 

„Das ist eine Miniausbildung“, sagt Eva-Maria Rauchensteiner, die mit der „Bildungspraxis“ selbst ein Institut für Aus- und Weiterbildung leitet und die Ausbildung auf 300 Stunden ausgedehnt hat. Hier will die Stadt nun für Änderungen sorgen. Noch vor dem Sommer soll die Ausbildung auf 400 Stunden erhöht werden. Eine schriftliche Seminararbeit und eine kommissionelle mündliche Prüfung werden Pflicht. Dabei gibt es aber einen Haken: Die Neuregelung wird nicht rückwirkend gelten und gilt nur für Betreuer, die künftig mit der Ausbildung beginnen.

3 „Schwarze Schafe“ unter den privaten Ausbildnern.

Die Ausbildungsinstitute sind private Institute. Welche Ausbildner sie einsetzen, bleibt ihnen überlassen. Sie müssen sich lediglich an die vage gehaltenen Vorgaben der Stadt halten. Und so hört man, wenn man sich in der Branche umhört, Geschichten von „schwarzen Schafen“ und Kindergruppenbetreuern, die weder gelernt haben, einen Essensplan für die Kinder zu erstellen noch ein Kind zu wickeln. In der zuständigen MA 11, Amt für Jugend und Familie, weiß man über „stundenmäßig divergierende“ Ausbildungen Bescheid. Ausschlaggebend sei, dass die Verordnung (u. a. das Ausbildungsmaß von bislang 90 Einheiten, Anm.) eingehalten werde. Die Ausbildungen sind unterschiedlich lang und dementsprechend unterschiedlich teuer. Das dürfte auch beim Ansuchen für Förderung – etwa beim AMS – eine nicht ganz von der Hand zu weisende Rolle spielen. Sind die Fördertöpfe nahezu leer, dürfte billigeren Ausbildungen der Vorzug gegeben werden.

4 Mit üppigen Finanzierungen wurden Personen „mit falscher Motivation“ angelockt.

Apropos Kosten: Die Stadt Wien hat für den Ausbau der Kinderbetreuungsplätze viel Geld in die Hand genommen. Für die Neuerrichtung einer Kindergruppe gab es im besten Fall eine einmalige Anstoßfinanzierung von 32.000 Euro, eine Basisförderung von 250 Euro pro Kind und Monat sowie einen Grundbeitrag und Verwaltungszulagen. „Das hat viele Menschen mit falscher Motivation angelockt“, sagt Rauchensteiner. 

Diese konnte die Stadt in der Vergangenheit offenbar nicht ausfindig machen. Wohl auch deshalb, weil es an der finanziellen und der qualitativen Kontrolle mangelte. So muss die Qualität einer Institution nur ein Mal im Jahr kontrolliert werden. Das versuchen derzeit elf und künftig 13 Kontrolleure zu schaffen.


Nota. - Ach ja, ich weiß, in Deutschland ist vieles anders. Aber nicht alles, und vor allem nicht das Wichtigste: die Dynamik.

Der von so manchen Jugendämtern fröhlich aufgegriffene Vorschlag der Sozialraumbudgets, der den Gedanken der Neuordnung der Sozialarbeit nach Feld-Gesichtspunkten auf lange Zeit nachhaltig kompromittiert haben dürfte, ging ja, das muss man gerechterweise sagen, auf ein ehrenwertes fachliches Motiv zurück: Es war die Sorge um den Erhalt der professionellen Standards zu Zeiten knapper Kassen, und der Hintergrund war eben - der besagte Wildwuchs, der seit Jahrzehnten auch bei uns, sicher viel stärker noch als in Österreich, um sich gegriffen hat. 

Den Anfang machten die Antiautoritären Kinderläden ab Mitte der sechziger Jahre, da war Pioniergeist und Idealismus, und es brauchte einige Zeit und Agitation, bis überhaupt die ersten öffentlichen Groschen locker gemacht werden konnten. Es war immer noch viel Abenteuer dabei, und für Leute, die ne ruhige Kugel schieben wollten, war es nix. - Ich kürze ab: Für die wurde es was in den siebziger Jahren, als die Fördermittel sprudelten, weil Eigeninitiative und Eigenverantwortlichkeit in den oberen Etagen der Verwaltung als frischer Wind wahrgenommen wurden und weil... man bemerkte, dass privates Engagement die öffentlichen Haushalte entlasten kann. Und so kam es, dass auch bei uns - will mir da einer ehrlichen Herzens widersprechen? - Leute "mit falscher Motivation" angelockt wurden. Sicher waren die Stellen, solange man sich bei den internen Intrigen auf der richtigen Seite hielt, fast so wie im öffentlichen Dienst und die Kugeln womöglich noch ruhiger, und vor allem: Da war keiner, der einem fachlich auf die Finger sah.

Das ist aber im privaten wie im öffentlichen Bereich das größte Problem. Professionell störend sind die Ämter in der Kinder- und Jugendhilfe nicht, weil sie kontrollieren, sondern weil sie professionell gar nicht kontrollieren können, sondern sich mit pauschaler präventiver Schikane begnügen müssen; und im Einzelfall dann "auch mal ein Auge zudrücken"! Das Problem ist für die Praktiker nicht, wenn es ihnen auch so vorkommen mag, dass es zuviel Kontrolle gäbe, sondern dass es zuwenig fachliche Kontrolle gibt.

Ins Auge springt das, seit die Fördermittel immer spärlicher tröpfeln. Wie im Artikel nur schamhaft angedeutet, setzte innerhalb des Wildwuchses eine Preiskonkurrenz ein, und die Ämter neigten unterm sanften Druck der Stadtkämmerer dazu, die billigsten Angebote vorzuziehen. Dagegen, wurde mir damals versichert, sollten die Sozialraumbudgets ein Bollwerk schaffen. Es sollte die Möglichkeit geschaffen werden, die - oben so genannten - Schwarzen Schafe auszusondern.

Dass das wünschenswert wäre  - wer, der die Branche kennt, würde das bestreiten? Dass dafür die Jugendämter die am besten geeignete Instanz wäre - wer, der die Branche kennt, kann auf diese Schnapsidee kommen!

* 

Der Wildwuchs hat das öffentliche Standing der Sozialpädagogik bis auf die Knochen ruiniert. Als in den sechziger Jahren die Pioniere daran gingen, dieses Berufsbild überhaupt erst zu schaffen, da war die allgemeine Reaktion von Müller und Meier: Hut ab, die traun sich was. Heute tut ein Sozialpädagoge gut daran, in der Nachbarschaft und im Bekanntenkreis seinen Beruf zu verschweigen, weil sonst alle denken: Tagedieb mit großem Maul.

Das ist wie mit dem schlechten Ruf des Öffentlichen Dienstes: Es ist gar nicht nötig und es ist ja wahrscheinlich gar nicht mal der Fall, dass "alle so sind". Es kommt drauf an, wer in der Behörde oder im Milieu den Ton angibt. Da geht es nicht nur darum, wer öfter und wer seltener, wer lauter oder leiser das Wort ergreift, sondern wie das Umfeld resonniert, und da mag das Ganze wirklich mehr oder ganz was anderes sein als die Summe seiner Teile.

Es hat also ein bisschen was für sich, wenn jeder einzelne - in der Behörde oder im Wildwuchs der Praktiker - sagt: An mir liegt's nicht! Was hab ich nicht alles versucht, aber man läuft ja überall gegen Wattewände. Man kann gar nix machen. - Eine der Leitenden Beamtinnen, die seinerzeit mein Kinderhaus in die Pleite getrieben haben, sagte mir damals: "Herr E., Sie wissen doch, wie das System funktioniert!" Ich habe geantwortet: In all den Jahren ist mir hier auf Ihren Fluren ein System nie begegnet. Ich habe immer nur einzelne Beamte getroffen, die dieses getan und jenes nicht getan haben. Es gibt gar kein System.

Wenn sie nämlich alle sagen: An mir liegt's nicht, dass es so ist, haben sie nur zum Teil Recht. Zum anderen, wichtigeren Teil muss man sagen: Aber an dir liegt's, wenn es nicht anders wird. Wer soll's denn anders machen, wenn nicht du? Wenn alle sagen, an mir liegt's nicht...

Das ist banal, sagen Sie? Wir sind hier in Deutschland, hier ist das nicht banal. Man konnte als Einzelner ja nichts machen, sollte ich allein den Kopf hinhalten? - So weit ins Detail gingen die meisten gar nicht; die sagten schlicht, ich habe nur Befehle ausgeführt.

Mit andern Worten, für Zynismus und Schlendrian gibt es tausend Ausreden und keine Rechtfertigung.
JE

Donnerstag, 10. Dezember 2015

Heißa, neue Posten!


institution logoDortmunder Erklärung: Schulso-zialarbeit systematisch ausbauen





Eva-Maria Reuber
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Fachhochschule Dortmund

Schulsozialarbeit muss systematisch ausgebaut und an allen Schulen professionell etabliert werden. Als fachlich aus der Kinder- und Jugendhilfe begründetes Angebot muss sie bundesweit verbindlich geregelt, qualitativ abgesichert und dauerhaft etabliert werden. Das sind einige der wesentlichen Forderungen, die beim Bundeskongress Schulsozialarbeit an der Fachhochschule Dortmund als „Dortmunder Erklärung“ verabschiedet wurden.

Für jeweils 150 Schülerinnen und Schüler, so die Rechnung des Kooperationsverbundes Schulsozialarbeit, müsse mindestens eine Vollzeitstelle zur Verfügung* stehen. Hochgerechnet auf ganz Deutschland bedeutet das die Schaffung von insgesamt 62.000 neuen Stellen. Die Kosten für diesen Ausbau beziffert der Verbund auf ca. 3,6 Milliarden Euro jährlich.

Auf Einladung des Kooperationsverbundes Schulsozialarbeit, der Landesarbeitsgemeinschaft Schulsozialarbeit NRW, der Fachhochschule Dortmund und der Stadt Dortmund hatten sich am 4./5. Dezember rund 700 sozialpädagogische Fachkräfte, WissenschaftlerInnen sowie Träger aus dem ganzen Bundesgebiet zum Austausch getroffen. In mehr als 80 Vorträgen, Podiumsdiskussionen und Workshops standen neben fachlichen Themen auch aktuelle Positionen und Perspektiven der Schulsozialarbeit im Mittelpunkt. [Und stellen Sie sich vor: Sie sind übereingekommen, dass sie dringend mehr Stellen brauchen!]

„In den vergangenen Jahren“, sagte Bernhard Eibeck als Sprecher des Kooperationsverbundes Schulsozialarbeit, „hat die Schule eine Menge neuer Aufgaben übernommen: Ganztagsangebote, Projekte, individuelle Förderung Benachteiligter und soziale Integration. Dazu kommt jetzt noch die sozialpädagogische Unterstützung der nach Deutschland geflüchteten Kinder und Jugendlichen. Dies alles ist ohne Schulsozialarbeit nicht zu machen.“ Einige Bundesländer und Kommunen hätten mit erheblichen Mitteln neue Förderprogramme aufgelegt. Diese seien allerdings zumeist zeitlich befristet. „Wir brauchen“, betonte Eibeck“, einen systematischen und dauerhaft abgesicherten ** Ausbau der Schulsozialarbeit an allen Schulen.“




Der Kooperationsverbund Schulsozialarbeit und die Landesarbeitsgemeinschaften schätzen, dass es bundesweit derzeit rund 10.000 Stellen für sozialpädagogische Fachkräfte an Schulen gibt. Diese sind überwiegend bei freien Trägern der Jugendhilfe angestellt, in Nordrhein-Westfalen aber auch unmittelbar im Schuldienst. Bei 10,9 Millionen Schülerinnen und Schülern betreut rechnerisch ein Schulsozialarbeiter/eine Schulsozialarbeiterin 1.089 Kinder und Jugendliche. Viele Schulen haben nur eine halbe Stelle; an anderen Stellen ist ein Schulsozialarbeiter sogar für mehrere Schulen zuständig.

„Die Stadt Dortmund ist ein guter Standort für Schulsozialarbeit. Sie gibt konzeptionell und strukturell ein Beispiel, wie man Schulsozialarbeit steuern und vernetzen kann“, gab Bernhard Eibeck der Kommune gute Noten. Ein solches Zusammenspiel drückt sich unter anderem in der fruchtbaren Zusammenarbeit zwischen der Koordinierungsstelle Schulsozialarbeit der Stadt und dem Fachbereich Angewandte Sozialwissenschaften aus, die seit Jahren unter anderem gemeinsam einen „Fachtag Schulsozialarbeit“ an der FH Dortmund veranstalten.


Prof. Dr. Nicole Kastirke, Fachbereich Angewandte Sozialwissenschaften, bereitete den Bundeskongress Schulsozialarbeit von Seiten der Fachhochschule Dortmund maßgeblich vor. Sie hofft nun auf einen guten Nachhall der Dortmunder Erklärung: „Wenn wir es geschafft haben, den Schulsozialarbeiterinnen und Sozialarbeitern in unserem Land Wertschätzung für ihre tägliche Arbeit entgegenzubringen und gleichzeitig eine Bewegung anzustoßen, die für bessere Rahmenbedingungen in diesem Arbeitsfeld sorgt, dann werden es uns die Kinder und Jugendlichen danken. Schule ist viel mehr als kognitives Lernen und tägliches Überleben von Unterricht! Nur mit multiprofessionellen Teams lässt sich Schule entwickeln und zu einem Lern- und Lebensort machen.“


*) [Wem zur Verfügung stehen?]
**) [Das gehört nämlich zum Profil des fachlich qualifizierten Sozialarbeiters: Er will abgesichert sein.]

Prof. Dr. Nicole Kastirke, Fachhochschule Dortmund, Angewandte Sozialwissenschaften, Telefon: 0231 755-4919, E-Mail: nicole.kastirke@fh-dortmund.de

Weitere Informationen: http://www.bundeskongress-schulsozialarbeit.de

Nota:  
Posten 
her, wenn's 
sein muss, von der Konkurrenz,
und es mög' keinen was 
kosten.
JE


Mittwoch, 3. Juni 2015

Wer hätte das gedacht!

ägyptische Klageweiber
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Sozial- und Erziehungsdienste: Arbeitsanforderungen besonders stark gestiegen
Rainer Jung
Abt. Öffentlichkeitsarbeit
Hans-Böckler-Stiftung

03.06.2015 11:37

Von der Hans-Böckler-Stiftung geförderte Studien
Sozial- und Erziehungsdienste: Arbeitsanforderungen besonders stark gestiegen

Die fachlichen und die Leistungsanforderungen an Beschäftigte in den kommunalen Sozial- und Erziehungsdiensten sind in den vergangenen Jahren stark gestiegen. Das zeigen Befragungen im Rahmen von Forschungsprojekten, die die Hans-Böckler-Stiftung fördert. 76 Prozent der Beschäftigten, die zum Beispiel als Erzieherinnen, Erzieher oder Sozialarbeiter in kommunalen Kindertagesstätten, Ganztagsschulen, Beratungsstellen, Jugendeinrichtungen, Heimen oder Behinderteneinrichtungen arbeiten, geben an, dass die an sie gestellten Leistungsanforderungen zugenommen haben. Das kann beispielsweise bedeuten, dass die Beschäftigten zusätzliche Aufgaben übernommen haben oder mehr in der gleichen Zeit schaffen müssen, 48 Prozent sagen sogar, die Leistungsanforderungen hätten „sehr stark“ zugenommen. Dieser Wert liegt noch deutlich höher als bei anderen Beschäftigten in Städten und Gemeinden (siehe auch die Grafik; Link unten). Das ergeben Befragungen unter insgesamt 3.200 kommunalen Beschäftigten in 34 Städten und Gemeinden, die Dr. Werner Schmidt und Andrea Müller vom Tübinger Forschungsinstitut für Arbeit, Technik und Kultur (F.A.T.K.) in den Jahren 2011/2012 durchgeführt haben. Rund 680 der Befragten arbeiteten im Sozial- und Erziehungsdienst.

Auch andere Mitarbeitergruppen in den Kommunen geben mit großer Mehrheit an, dass die Leistungsanforderungen gestiegen sind, doch ein „sehr starker“ Anstieg wird im Durchschnitt aller Beschäftigten mit 38 Prozent von nicht ganz so vielen berichtet. Den Anstieg der Leistungsanforderungen in Städten und Gemeinden bestätigen in einer weiteren Erhebung der F.A.T.K.-Forscher mehrheitlich auch die kommunalen Arbeitgeber. Von den befragten Entscheidungsträgern in 426 Städten und Gemeinden geben sogar 40 Prozent an, dass die Leistungsanforderungen „sehr stark“ zugenommen hätten.

Die Hintergründe hierfür liegen nach Analyse des Soziologen Schmidt „auf der Hand: Einerseits sind viele Kommunen seit Jahren gezwungen, am Personal zu sparen, und andererseits nehmen die Aufgaben kontinuierlich zu“, sagt der Forscher. Danach gefragt, worauf die steigenden Leistungsanforderungen zurückzuführen sind, seien sich Beschäftigte und Arbeitgeber wiederum weitgehend einig, so der Wissenschaftler: 93 Prozent der Arbeitgeber und 85 Prozent der Beschäftigten nennen „wachsende Aufgaben“, 66 Prozent der Arbeitgeber und 72 Prozent der Beschäftigten „Stellenabbau“ als wichtige Gründe.

Die Beschäftigten der Sozial- und Erziehungsdienste sind nach der F.A.T.K.-Befragung offenbar ganz besonders stark mit einem Aufgabenzuwachs konfrontiert. Sie geben sogar zu 93 Prozent an, dass gestiegene Leistungsanforderungen auf „wachsende Aufgaben“ zurückzuführen sind. „Die steigenden gesellschaftlichen Ansprüche an die Qualität der vorschulischen Erziehung, aber auch etwa die Zunahme psychisch belastender Aufgaben im Bereich der Sozialarbeit dürften hier eine Rolle spielen“, erklärt Schmidt. „Die Ursachen der Unzufriedenheit deuten darauf hin, dass eine bessere Personalausstattung sowie eine Aufwertung der Beschäftigten der Sozial- und Erziehungsdienste sowie des öffentlichen Dienstes insgesamt erforderlich sind.“

Erzieherinnen: Steigende Anforderungen, Multitasking, hohe körperliche Belastung 

Einen detaillierteren Blick auf die Arbeitssituation von Erzieherinnen und Erziehern erlauben Befunde aus einem laufenden Forschungsprojekt am Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB), das ebenfalls von der Hans-Böckler-Stiftung gefördert wird. Die Forscherinnen Dr. Anja Hall und Ingrid Leppelmeier stützen sich auf die aktuelle Welle der Erwerbstätigenbefragung, die das BIBB und die Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA) 2012 durchgeführt haben. Befragt wurden insgesamt 20.000 Erwerbstätige in Deutschland, unter ihnen knapp 400 Erzieherinnen und Erzieher. Die Ergebnisse der Repräsentativbefragung haben die Forscherinnen mit anderen Studien zur Arbeitssituation in der Kindertagesbetreuung abgeglichen – und in zentralen Punkten sehr starke Übereinstimmungen festgestellt. Erzieherinnen und Erzieher seien „eine besonders belastete Berufsgruppe“, resümieren die BIBB-Expertinnen.

Wesentliche Trends: Erzieherinnen und Erzieher sind mit den Inhalten ihrer Tätigkeit, in ihrem Fall der Sorge- und Bildungsarbeit mit Kindern und Jugendlichen, im Durchschnitt zufriedener als Beschäftigte anderer Berufe. Doch gleichzeitig wird ihre Tätigkeit fachlich zunehmend anspruchsvoller, die körperlichen und psychischen Belastungen sind groß. Das gilt insbesondere für Lärm, die Notwendigkeit, in auf Dauer schmerzhaften Positionen zu arbeiten, die Anforderung an Multitasking und den Kontakt mit Krankheitserregern. Und Rahmenbedingungen wie die Bezahlung stimmen nach Einschätzung der Erzieherinnen und Erzieher in ihrem Beruf oft nicht. Knapp 50 Prozent zeigen sich damit in der BiBB/BAuA-Erwerbstätigenbefragung 2012 weniger oder gar nicht zufrieden. Das sind fast 22 Prozentpunkte mehr als im Mittel der Befragten aus anderen Berufen.

Ansprechpartner in der Hans-Böckler-Stiftung

Dr. Stefan Lücking
Abteilung Forschungsförderung
Tel.: 0211-7778-175
E-Mail: Stefan-Lücking@boeckler.de

Dr. Dorothea Voss
Abteilung Forschungsförderung
Tel.: 0211-7778-194
E-Mail: Dorothea-Voss@boeckler.de

Rainer Jung
Leiter Pressestelle
Tel.: 0211-7778-150
E-Mail: Rainer-Jung@boeckler.de


Nota. - Ich habe gut drei Jahrzehnte lang selber in dieser Branche gearbeitet. Ich habe immer, von Jahr zu Jahr, gehört, die Belastungen nähmen zu, die Fälle würden immer schwerer, wir bräuchten dringend mehr Personal. Ich habe nie gehört, dieses Jahr sei mal irgendetwas besser geworden, die Fälle nicht mehr ganz so schwer, mit dem Personal käme man endlich mal aus. 

Die Böckler-Stiftung hat auch keine irgendwie objektivierbare empirische Untersuchung in Auftrag gegeben, sondern hat Betroffene danach gefragt, wie sie sich fühlen. Und siehe da - sie fühlen sich nicht gut, und so wird es schon seit hundert Jahren sein: So lange gibt es diesen Beruf nämlich. Und wenn sie alle Jahr für Jahr immer Recht gehabt haben in ihrem Empfinden und es doch heute grad eben noch erträglich ist - dann muss das ja am Anfang die reinste Idylle gewesen sein vor hundert Jahren; und dann können sie damals nicht Recht gehabt haben!

Aber wenn damals nicht, wieso dann heute?

Der Haken ist eben der: Das ist alles gar nicht objektivierbar! Nicht einmal, wenn die Gruppenstärken heraufgesetzt werden - es gab Zeiten, da wurden sie gesenkt, hat man damals nicht geklagt? -, bedeutet das zwingend, dass die Belastung größer würde. Kann sein und ist im statistischen Durchschnitt vielleicht sogar wahrscheinlich; muss aber ganz und gar nicht sein, die Gruppenstärke ist kein unabhängiger Parameter, da ist vieles andere mit ins Spiel. 

Und wenn das schon seit hundert Jahren so geht, dann liegt die Frage nahe: Liegt es vielleicht am Charak- ter dieser Berufe selbst, dass die, die ihn ausüben, ständig klagen müssen? Oder liegt es am Charakter derer, die sie wählen?

*

Nicht die Unzufriedenheit beweist, "dass eine bessere Personalausstattung sowie eine Aufwertung der Beschäftigten der Sozial- und Erziehungsdienste sowie des öffentlichen Dienstes insgesamt erforderlich sind", das traut sich nicht einmal der Mann von der Böckler-Stiftung zu sagen; nein, die Ursachen für Unzufriedenheit "weisen darauf hin"...

Wollen Sie mit mir wetten, dass er das schon wusste, bevor er die Umfrageergebnisse in den Händen hielt - und bevor die Umfrage überhaupt in Auftrag gegeben wurde?

Nein, darauf wollen Sie nicht mit mir wetten, weil Sie wissen, dass Sie die Wette schon verloren haben.
JE



Dienstag, 19. Mai 2015

Burnout - die Berufskrankheit der Sozialarbeiter?



Soziologen: Burnout als Symptom einer übertriebenen Wettbewerbs- mentalität ernst nehmen




Rainer Jung 
Abt. Öffentlichkeitsarbeit 
Hans-Böckler-Stiftung 

Wachsende Anforderungen, Wettbewerbsdruck ohne Feierabend und ein hoher Anspruch an die eigene Arbeit – wo diese Faktoren zusammenkommen, steigt das Burnout-Risiko. Soziologen sehen das Leiden als Symptom einer entgrenzten Arbeits- und Wirtschaftsweise.

Begonnen hat es in der alternativen Nische. Als der amerikanische Psychoanalytiker Herbert Freudenberger 1974 erstmals Fälle von Burnout beschrieb, waren seine Patienten Sozialarbeiter und Lehrer, die wie er in Spanish Harlem arbeiteten: hoch motiviert, politisch engagiert – und nach Jahren frustriert durch die Erfahrung, dass sie trotz eines Einsatzes weit jenseits normaler Arbeitszeiten im damaligen New Yorker Problemviertel nicht wirklich etwas ändern konnten – eben „ausgebrannt“.

Die besondere Kombination aus hoher eigener Identifikation und systematischer Überforderung von Beschäftigten sei ein Schlüssel, um zu verstehen, warum sich Burnout stark ausgebreitet hat, schreiben Prof. Dr. Sighard Neckel und Greta Wagner. Natürlich gab es immer schon harte Arbeit und Stress. Trotzdem sei Burnout keineswegs nur eine Modediagnose, betonen der Frankfurter Soziologie-Professor und seine Mitarbeiterin. Erschienen ist ihr Aufsatz in den WSI-Mitteilungen, der Fachzeitschrift des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts (WSI) in der Hans-Böckler-Stiftung. Burnout spiegele vielmehr gewichtige Veränderungen in Arbeitswelt und kapitalistischem Wirtschaftsmodell wider: „Unrealistische Erwartungen an die Belastbarkeit von Mitarbeitern entstammen längst nicht mehr dem Idealismus alternativer Milieus der 1970er-Jahre, sondern sind in einer ökonomischen Kultur zur Regel geworden, die um jeden Preis auf permanente Leistungssteigerung setzt.“

Zwei wesentliche Trends greifen nach Analyse der Wissenschaftler ineinander:

Eine Selbstverantwortungs- und Wettbewerbslogik, die das Berufsleben prägt, aber längst auch in den privaten Bereich hineinreicht – von der Konkurrenz zwischen betrieblichen Profit-Centern über die Sorge um den Schulerfolg der Kinder bis hin zur Castingshow im Fernsehen. Neckel und Wagner sehen einen Zusammenhang zur „Ausbreitung des Neoliberalismus in den 1990er-Jahren“. In deren Folge sei „es zu einer zeitlichen und sachlichen Entgrenzung von Wettbewerben“ gekommen, „sodass Wettbewerbe zunehmend die Sozialordnung als Ganzes bestimmten“.

Einerseits seien zuvor weitgehend nach anderen Logiken organisierte Bereiche wie Hochschulen oder öffentliche Verwaltung in den Wettbewerb einbezogen worden, so die Forscher. Zum anderen verkürzten sich für sehr viele Erwerbstätige die Abstände, in denen „der erreichte Status wieder zur Disposition gestellt und 'performativ' neu erkämpft werden“ musste. Begünstigt wurde das durch Fortschritte in der Informationstechnik. Leistungsfähige Computer bildeten eine zentrale Voraussetzung für engmaschige Leistungs- und Erfolgskontrollen. Mobilgeräte eröffneten die Möglichkeit, Beschäftigte dauernd zu erreichen. Hinzu kamen Deregulierungen auf dem Arbeitsmarkt. Sie erleichterten beispielsweise die Einrichtung befristeter Jobs, die der Analyse von Neckel und Wagner zufolge „den Leistungsdruck auf die Mitarbeiter erhöhen und sie zwingen, ihren Wert für die Organisation immer wieder von Neuem beweisen zu müssen“.

Als zweiten, „subjektiven“ Faktor der Entgrenzung identifizieren die Soziologen den Wunsch vieler Menschen, „dass die Arbeit mehr sein möge als bloßer Lebensunterhalt“. Der Anspruch, sich im Beruf selbst zu verwirklichen, habe sich seit Freudenbergers Zeiten stark ausgebreitet und werde auch dort gepflegt, wo das früher nicht üblich war. Was aus Sicht des einzelnen Arbeitnehmers grundsätzlich nachvollziehbar und sinnvoll sei, könne jedoch „zum Köder“ werden. Nämlich dann, wenn Unternehmen mit praktisch grenzenlosem Einsatz kalkulieren – nach Ansicht der Forscher sind beispielsweise kräftige langfristige Zuwächse bei atypischen oder überlangen Arbeitszeiten ein Indiz dafür. Besonders problematisch sei es, wenn Beschäftigte keine echten Möglichkeiten hätten, ihre Arbeitsgestaltung mitzubestimmen. Neckel und Wagner resümieren typische psychologische Fallbeschreibungen zum Burnout: „Die Identifikation mit der Arbeit trieb die späteren Burnout-Patienten, je unzulänglicher die Arbeitsbedingungen waren, in immer größeres Engagement, was schließlich zum Erschöpfungszusammenbruch führte“.

Dass Burnout in den Medien prominent behandelt wird, halten die Soziologen für durchaus positiv. Das Syndrom sei zu einem griffigen Symbol geworden, über das „der Wandel der Arbeitswelt und die daraus entstehenden psychischen Kosten, welche die Arbeitssoziologie teilweise bereits seit Jahrzehnten beschrieben hatte“, nun verstärkt Thema in breiteren gesellschaftlichen Debatten würden. Statt aus Überforderung resultierende psychische Erkrankungen als individuelle Probleme abzutun, gerieten die Schattenseiten einer übersteigerten Wettbewerbsgesellschaft in den Blick, die die Arbeitskraft verschleiße. Nicht selten bereits in Vorauswahlen oder Antragsprozessen für Projekte, die am Ende nie umgesetzt werden. Die öffentliche Kritik könnte helfen, die Wirtschaft auf einen stärker nachhaltigen Entwicklungspfad zu bringen, hoffen Neckel und Wagner. In manchen Unternehmen seien schon Anzeichen dafür zu beobachten.



Weitere Informationen:
http://www.boeckler.de/14_52172.htm - Die PM mit Ansprechpartner
http://media.boeckler.de/Sites/A/Online-Archiv/14275 - Der Aufsatz in den WSI-Mitteilungen
http://www.boeckler.de/themen_32995.htm - Weitere Studien zum Thema Arbeitsbelastungen/Arbeitssschutz

Nota. - So ist es: Nicht 'die Gesellschaft' erwartet zuviel von den Sozialarbeitern, nicht die Sozailarbeiter erwarten zuviel von sich, sondern die Sozialarbeiter erwarten zuviel von ihrem Beruf.

Freudenbergers Diagnose datiert von 1974? Da war die Zunft noch neu und jung, da gab es ganz sicher eine Menge Leute, die von sich selbst "zu viel" erwarteten - in Amerika wie bei uns: Die dachten noch, es wäre ganz besonders an ihnen, die Welt zu verändern, und in Amerika sicher viel naiver als in Old Europe. Aber auch bei uns kamen sich die Sozialarbeiter, die eben erst diese Berufsbezeichnung und kaum noch ein Gra- duiertendiplom errungen hatte, wie Pioniere und Avantgardisten vor. Das waren Leute, die sich auf ein ganz neues Terrain vorgewagt hatten, die noch selbst erkunden mussten, in welchem Land sie überhaupt gelandet waren, und die sich zu Recht für Kreative und ein bisschen, nein sogar sehr auch für Künstler hielten - im vollen Bewusstsein, bei einer unglücklichen Wendung der Umstände auch scheitern zu können.*

Heute ist Sozialarbeit - "Sozialpädagogik" schon gar - ein Öffentlicher Dienst wie alle andern, nein, gar mehr als alle andern, und waren sie in den Pionierjahren allgemein bestaunt und bewundert und wegen ihres Idealismus' natürlich auch ein wenig belächelt, so ziehe ich es heute vor, meinen (früheren) Beruf zu verheimlichen, so sehr wird er inzwischen verachtet. Und sie geben mehr und schrillere Töne an als je zuvor. Bescheidenheit ist ihre Zier nicht, doch das erwartet auch schon keiner mehr von ihnen. Sie dümpeln in routiniertem Schlendrian und geben an wie ein Sack voll Flöhen. 

Es gibt ihrer viel zu viele. Professionell qualifizieren ließe sich ihr Beruf nur durch strenge personale Ökonomie - doch auch gesellschaftlich und sogar pekuniär aufwerten. Aber meinen Sie, dafür fänden Sie unter ihnen Sympathie und Bereitschaft zu einem neuen Aufbruch? "Das ist ja wohl das Letzte!"

Kein Wunder, dass in ihrem Berufsbild der Burnout ganz obenan steht, und fast möchte man es ihnen, wenn es nicht auf Kosten der Steuerzahler und der Klienten ginge, gönnen.

*) Haltet mal schön die Füße still, von mir rede ich ja nicht, damals gehörte ich noch gar nicht dazu. Ich rede von meinen Freunden und Bekannten.
JE



Sonntag, 19. April 2015

Hat Streetwork überhaupt eine Wirkung?

 ackern in der Steillage
aus Der Standard, Wien,15.4.2015

Vielfältige Wirkungen von Jugendarbeit auf der Straße

von Lisa Breit

Wien - Auf Fußballplätzen, in Kaufhäusern, bei Spielplätzen, vor Fastfood-Restaurants: All das sind Orte, wo Mitarbeiter der mobilen Jugendarbeit - auch als Streetworker bekannt - Ansprechpartner für Anliegen aller Art sind. Sie helfen bei Problemen in der Schule oder zu Hause, beantworten Fragen zu Sexualität oder Drogen. Sie sind fallweise Vermittler, Freunde, Mediatoren, Eltern, Therapeuten oder Lehrer. Mobile Jugendarbeit wendet sich besonders an Jugendliche, die durch klassische Angebote nicht mehr erreicht werden. Einrichtungen, die mobile Jugendarbeit anbieten, sind zumeist auf Förderer angewiesen. Förderer, die wissen wollen: Bringt Streetwork überhaupt einen Mehrwert?


Methoden entwickeln

Das Institut für Rechts- und Kriminalsoziologie (IRKS) versucht derzeit, diesen Einrichtungen, die meist wenig mit Wissenschaft zu tun haben, mit empirischen Ergebnissen weiterzuhelfen. Im zweijährigen Forschungsprojekt "Ja sicher", das im Rahmen des Förderprogramms Kiras für Sicherheitsforschung vom Verkehrsministerium gefördert wird, soll in Zusammenarbeit mit dem Innenministerium und Jugendvereinen in Wien und Niederösterreich nachgewiesen werden, wie mobile Jugendarbeit wirkt.


Das ist keine leichte Aufgabe, sagt Projektleiterin Hemma Mayrhofer: "Die Wirkungen können so vielfältig sein wie die Bedürfnisse eines jungen Menschen selbst. Die Herausforderung ist, geeignete Kriterien für die Untersuchung und Forschungsmethoden zu entwickeln, mit denen die Wirkungen erfasst werden können."


Das Team um Mayrhofer entschied sich für eine Kombination mehrerer Untersuchungsmethoden: Befragungen, Beobachtungen, Netzwerkanalysen, Fotografien, Interviews. Rund 200 Jugendliche sollen Fragen zu ihren Hobbys, Erfolgserlebnissen, ihrem Umgang mit Konflikten, aber vor allem auch zu ihren Erfahrungen mit mobiler Jugendarbeit beantworten.


Wie stehen sie zu den Angeboten? Wenden sie sich mit ihren Problemen an die Streetworker? "Auch wenn es banal klingen mag: Ob die Angebote genutzt werden, gibt uns letztendlich bereits einen ersten wichtigen Hinweis darauf, ob sie auch wirken können", sagt Mayrhofer. Ergänzt werden diese sogenannten "standardisierten" Interviews durch narrative: Zehn bis zwölf Ex-Nutzer mobiler Jugendarbeit erzählen den Forschern ihre Lebensgeschichte. Kommunalpolitiker, das Jugendamt, Lehrer und Mitarbeiter von Freizeiteinrichtungen und Kulturvereinen lassen in einer sogenannten "Netzwerkanalyse" ihre Erfahrungen einfließen.


Schließlich nehmen die Forscher auch am Arbeitsalltag von Jugendarbeitern teil - und zwar beobachtend. Sie halten sich über einen längeren Zeitraum an Orten in Wien und Niederösterreich auf, an denen es häufig zu Konflikten zwischen Jugendlichen und anderen Nutzern des öffentlichen Raumes kommt - in Parks, auf Spielplätzen, und auch eine Kirche war bereits Untersuchungsfeld. "So wollen wir herausfinden, wie alle Beteiligten mit Konflikten umgehen. Wir wollen sehen, in welcher Weise die Jugendarbeiterinnen und Jugendarbeiter auf den weiteren Verlauf des Streits einwirken", sagt Mayrhofer.


Studien noch ausständig

Dass umfassende sozialwissenschaftliche Studien zum Thema noch ausständig sind, bedauert Mayrhofer. Was die Forschung so schwierig mache, sei das Fehlen eindeutiger Ursache-Wirkungs-Zusammenhänge, denn: Mobile Jugendarbeit könne sich auf verschiedene Weisen auf das Leben der Jugendlichen auswirken.


Auch sei es praktisch unmöglich, präventive und langfristige Wirkungen zu erfassen: "Veränderungen können oft nur über mehrere Jahre festgestellt werden", sagt Mayrhofer. "Es ist aber nicht nur aufwändig, sondern auch unwahrscheinlich, dass wir die Jugendlichen über solch einen langen Zeitraum begleiten können."


Jugendliche wollen oft anonym bleiben, wenn sie sich an soziale Einrichtungen wenden. Daher ist auch die dünne Datenlage ein Problem für die Forscher. Diese werten deshalb zusätzlich - gemeinsam mit dem Innenministerium - Daten aus dem Sicherheitsmonitor aus: "Die Aufzeichnungen zeigen uns, in welchem Ausmaß strafrechtlich relevantes Verhalten in einem bestimmten Gebiet, etwa einem Park in Wien, beobachtet worden ist", sagt Mayrhofer. So können die Forscher sehen, ob ab dem Zeitpunkt, an dem mobile Jugendarbeit dort startete, die Zahlen zurückgehen.
Ende Mai beenden die Wissenschafter die Erhebung, Ende Juli beginnen die Auswertungen. Im Anschluss wird es Workshops mit den beteiligten Einrichtungen und Lehrenden an der Fachhochschule für Soziale Arbeit in Wien geben. Dort soll es vor allem darum gehen, "die Ergebnisse für die Praxis nutzbar zu machen", sagt Mayrhofer, der es wichtig ist, dass Sozialforschung im Dialog mit den sozialen Einrichtungen passiert: "Sozialwissenschaftliche Erkenntnisse lassen sich nicht eins zu eins in die Praxis übertragen. Es reicht nicht aus, Vorschläge zu formulieren, die dann kochbuchartig angewendet werden."


Nota. - So zweckmäßig eine solche Untersuchung wäre, so unzweckmäßig scheint die Herangehensweise des österreichischen Instituts. Sie scheinen die Wirkung von Streetwork - 'aufsuchende Jugendsozialarbeit' im Berliner Behördendeutsch - als eine Summe linear-kausaler Einzelwirkungen aufzufassen, was aller- dings so erfolgversprechend ist wie die Suche nach der Nadel im Heuhaufen; und man kann nur hoffen, dass die österreichischen Streetworker selber eine professionellere Auffassung von ihrer Arbeit haben: 

Streetwork kann (auf die Dauer) überhaupt nur nützen, wenn sie von Anfang an systemisch aufgefasst wird und eben nicht an ihren Ergebnissen in soundsoviel Einzelfällen, sondern an ihrer Wirkung auf das jewei- lige soziale Feld  gemessen wird. Sie muss sich zu einer sozialräumlichen Instanz entwickeln können, deren Präsenz zu einer selbstverständlichen Prämisse für jedermanns private Lebensführung wird; etwas, worauf man in jedem (nicht erst äußersten) Fall rechnen kann - und sei es ohne dass sie tatsächlich in An- spruch genommen wird! Ihre Gegenwart hätte (im Detail) nachträglich manch individuelle Konsequenz im Einzelfall, aber (en gros) vor allem eine vorab  regulative Wirkung fürs Gemeinwesen.


Mit andern Worten, Streetwork darf nicht nur "unter anderm auch", sondern muss zuerst und vor allem präventiv aufgefasst werden. Und so etwas lässt sich nur über einen längeren Zeitraum und mit den quan- tifizierenden Methoden der Soziologen nachweisen. Ohne Vertrauensvorschuss braucht man da gar nicht erst anzufangen, das geht garantiert ins Auge.

JE 


Sonntag, 21. Dezember 2014

Ist das Kindeswohl beim Jugendamt in den besten Händen?

aus Süddeutsche.de, 21. Dezember 2014, 09:31

Jugendämter in Deutschland

Wie wir unsere Kinder retten können

"Eine ausreichende qualifizierte Überprüfung von Kindeswohlgefährdungen ist nicht mehr möglich", warnen zehn Berliner Jugendamtsdirektoren in einem Schreiben. 

Jugendämter müssen schwierige Entscheidungen treffen: Greifen sie zu schnell ein, verletzen sie das Elternrecht. Warten sie zu lange, droht eine Katastrophe.

Die ausreichende Überprüfung des Kindeswohls gelingt den Ämtern mit der aktuellen personellen Ausstattung nicht.

Von Wolfgang Janisch


Vor einem Jahr ist die dreijährige Yagmur gestorben, totgeschlagen von der eigenen Mutter. Der Prozess ist vor Kurzem zu Ende gegangen, das Landgericht Hamburg hat die Mutter zu lebenslang und den Vater zu viereinhalb Jahren Haft verurteilt. Und es hat deutlich gemacht, dass wohl auch andere Schuld auf sich geladen haben. Ein Jugendamt, eines von dreien, die sich seit ihrer Geburt um Yagmur gekümmert hatten, hat sie zu den Eltern zurückgeschickt.


Erst an diesem Donnerstag hat ein Parlamentarischer Untersuchungsausschuss in der Hansestadt das Behördenversagen dokumentiert. Auch Kevin war vom Jugendamt in Bremen betreut worden, bis er im Oktober tot im Kühlschrank der väterlichen Wohnung gefunden wurde.


Yagmur, Kevin - zwei Namen aus einer bedrückenden Reihe von Fällen, in denen Jugendämter zu spät und zu zögerlich eingegriffen haben.


Zu zögerlich, zu spät? Zu früh und zu forsch greifen Jugendämter und Familiengerichte ein, sagt das Bundesverfassungsgericht. Allein seit März hat das Gericht rund ein halbes Dutzend Entscheidungen kassiert, in denen Eltern auf Intervention des Jugendamts das Sorgerecht entzogen wurde - mal ging es um ein verhaltensauffälliges Kleinkind, mal um eine allzu symbiotisch mit der Mutter verbundene 15-Jährige. Nur bei akuter Gefahr für das Kindeswohl dürfen Gerichte den Eltern die Kinde wegnehmen.


Das Dilemma der Ämter

Die Jugendämter bewegen sich zwischen Scylla und Charybdis. Greifen sie zu schnell ein, verletzen sie das Elternrecht. Wolfgang Schwackenberg, Vorsitzender des Ausschusses Familienrecht beim Deutschen Anwaltverein, berichtet von einem Fall, in dem eine Mutter einen Anruf vom Amt bekam, sie müsse ihre Kinder heute nicht von der Kita abholen. Sie würden zu einer Pflegefamilie gebracht. Zwei Tage später revidierte das Amt seine Entscheidung. "Doch so etwas stürzt die Mutter in ein tiefes Loch", sagt der Anwalt.


Andererseits: Warten die Behörde zu lange, droht eine Katastrophe - und ihren Mitarbeitern womöglich eine Anklage wegen fahrlässiger Tötung.



Doch den Jugendämtern den Schwarzen Peter zuzuschieben, wäre zu einfach, sagt Ludwig Salgo, über Jahre Vizepräsident des Deutschen Kinderschutzbundes. Der Fehler liegt aus seiner Sicht im System - einem System aus Überbelastung und Unterfinanzierung, aus fehlender Kontrolle und mangelhafter Ausbildung.


Jede Behörde benötigt eine Kontrollinstanz

Es beginnt mit der Ausstattung der Ämter. Zehn Berliner Jugendamtsdirektoren haben vor zwei Jahren in einem offenen Brief das Problem eindrucksvoll auf den Punkt gebracht. Die Belastung der Ämter werde ständig erhöht: Die neuen Arbeitszeitfresser heißen Familienrechtsverfahrensgesetz, Kinderschutzgesetz, Reform des Betreuungsrechts, Änderung des Schulgesetzes, Dokumentationspflichten.


Zugleich würden Stellen abgebaut, um die Sparziele des Landes einzuhalten. Dann kam ein Satz, der alle Alarmglocken schrillen lassen müsste: "Eine ausreichende qualifizierte Überprüfung von Kindeswohlgefährdungen ist bei der derzeitigen personellen Ausstattung nicht mehr in allen Jugendämtern möglich."


Nun gehört es zum kleinen Einmaleins des Verwaltungswesens, dass jede Behörde eine wirksame Kontrollinstanz benötigt. Für Jugendämter aber existiert keine Fachaufsicht, sondern nur eine - wie es im Kinder- und Jugendbericht heißt - "sehr weitmaschig angelegte" Rechtsaufsicht durch die Landesjugendämter: Sie können fachliche Empfehlungen aussprechen, mehr nicht.


Subjektive Einschätzungen als Maßstab

Die Familienrechtsanwältin und einstige Justizsenatorin Lore Maria Peschel-Gutzeit hält eine wirksame Dienstaufsicht für nötig. Die Entscheidung, Kinder aus einer Familie herauszunehmen, beruhe oft auf wenig überprüfbaren subjektiven Einschätzungen. Die Tagesmutter informiere den Kinderarzt, weil sie das Kind für schlecht ernährt halte, der rufe das Jugendamt an, das dann das Kind in Obhut nehme und jeden Kontakt zu den Eltern unterbinde. "Dieses Recht hat das Jugendamt nicht. Eltern haben das Recht, ihr Kind zu sehen."


Für die Kontrolle der Behörden sind normalerweise die Gerichte da. Das Jugendamt kann bei gravierenden Gefahren für das Kindeswohl nur vorläufig die "Inobhutnahme" des Kindes verfügen; für den Entzug des Sorgerechts ist das Familiengericht zuständig. Dort müsste es eigentlich schnell gehen, doch nach einer vorläufigen Eilentscheidung können sich die Prozesse hinziehen - für die Kinder sind das Monate der Trennung von den Eltern. "Notwendig wäre eine zügige Hauptverhandlung", sagt Isabell Götz, Vorsitzende des Deutschen Familiengerichtstags.


"Ein einheitliches Kinderschutzgericht schaffen"


Zudem verheddern sich die Prozesse schnell in den Absurditäten des Verfahrensrechts. Das Bundesverfassungsgericht fordert, dass den Familien zunächst wirksame Hilfen angeboten werden müssen, bevor man den finalen Schritt unternimmt, der Familien zerstören kann - Entzug des Sorgerechts, Trennung von Eltern und Kind.


Familienhilfen aber darf das Familiengericht nicht in eigener Hoheit anordnen. Zuständig dafür ist das Verwaltungsgericht - eine Instanz also, die mit Familiendingen sonst wenig zu tun hat. Stefan Heilmann, Richter am Frankfurter Oberlandesgericht, nennt das kafkaesk. "Man müsste ein einheitliches Kinderschutzgericht schaffen", sagt Heilmann. In der Schweiz arbeite man derzeit sogar mit einem Gericht, das mit Juristen, Sozialarbeitern und Psychologen besetzt sei.


Das Zusammenspiel von Ämtern und Gerichten aber ist nach deutschem Recht Glückssache. Familienrichter kann man nach dem ersten Jahr im Richteramt werden, eine Pflicht zur Weiterbildung in außerjuristischen Feldern gibt es nicht. Nächstes Jahr will der Deutsche Familiengerichtstag nach vergeblichen Anläufen einen neuen Versuch starten, das zu ändern.


Familienjuristen brauchen Vorkenntnisse

Denn eine fachübergreifende Ausbildung der Familienjuristen ist unverzichtbar: Zwar beauftragen die Richter im Zweifel psychologische Sachverständige. Doch schon um die richtigen Fragen an Gutachter zu formulieren, bedarf es gewisser Vorkenntnisse.


Muss der Kinderschutz am Ende auf allerhöchster Ebene aufgewertet werden - im Grundgesetz? Stefan Heilmann war früher skeptisch, ob eigene Grundrechte für Kinder wirklich nötig sind - verfassungsrechtlichen Schutz genießen sie ja längst. Inzwischen hat er seine Meinung geändert: "Mit einem Grundrecht für Kinder würden diese noch effektiver geschützt."



Nota. - Behörden-Bashing ist jederzeit populär. Mit kühlem Kopf und Augenmaß - das kann in solchen Fällen immer nur auf Trivialitäten hinauslaufen: "Man muss immer den einzelnen Fall ansehen, Pauschal- urteile helfen nicht weiter." Das klingt maßlos fehl am Platz, wenn sich die Hiobsbotschaften mal wieder gehäuft haben. Die Behörde wird ja wohl versagt haben, da beißt die Maus keinen Faden ab.

Aber die Behörde hat's auch schwer, sagen die Ämterversteher und ihre Berufsvertretungen. 


Und mein Gott, beide haben sie Recht. Auf welche Seite man sich schlägt, hängt zuerst einmal davon ab, welches Vor-Urteil man bereits mitbringt. Ist man der Meinung, das Jugendamt sei in erster Linie Kontrolleur, der darauf zu achten hat, dass alles in Ordnung ist, so wird man zu dem Urteil neigen, "da hätten viel früher schon die Alarmglocken schrillen müssen". Ist man dagegen der Auffassung, das Jugendamt habe wie jeder Sozialarbeiter den Auftrag, aus der gegebenen Situation das für alle Beteiligten jeweils Bestmögliche herauszuholen, wird man sagen: Ja, dieser Versuch musste auch noch gewagt werden, nur wer kein Risiko eingeht, macht keine Fehler - aber als Sozialarbeiter ist er selber ein Fehler.

Und ob Sie eines dieser beiden Vor-Urteile wählen oder nicht, liegt nicht in Ihrem Ermessen. Die Doppelnatur des Jugendamts als helfender Berater und als hoheitliche Behörde lässt Ihnen gar keinen Spielraum.


Nicht, dass es bei einer längst fälligen Entmischung der beiden Funktionen keine Tragödien mehr geben würde. Nicht, dass es keine Fehleinschätzungen und keine Verantwortungslosigkeiten mehr geben würde. Nicht, dass es keine Sturheit und kein Schema F mehr geben würde! Aber man könnte sie leichter identifizieren, beim Namen nennen und - nun ja, Rechenschaft fordern. Und was viel wichtiger ist: Die, die es angeht, könnten, dürften, müssten sicherer sein, dass es auf sie ankommt.

Wer einmal in einer Behörde zu tun hatte, wird wissen, welchen Unterschied sowas ausmacht. Denn dann könnte jeder Einzelfall wirklich als Einzelfall erörtert werden,
JE



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